“Rent your Prof” – mit Wirtschaftsethik in der Schule

Am 26. Januar hat mich das Gymnasium Nord-Ost in Essen eingeladen, im Rahmen der FOM-Initiative “Rent your Prof” zwei Schulstunden Hochschulatmosphäre in zwei Abiturkurse zu bringen. Zwei Erwartungen habe ich direkt enttäuscht: Kein alter Mann mit grauem Bart und auch keine Antworten auf all die vorbereiteten Fragen. Ich habe den Spieß einfach umgedreht und selbst Fragen formuliert oder die vorgeschlagenen Lösungen direkt wieder kritisiert.

Mir ging es nicht um eine Predigt für die Vorteile eines ethisches Lebens mit einem eventuellen Fensterplatz im Himmel zur Belohnung, sondern um vier Thesen, die ich veranschaulichen wollte:

  • Jede Konsumentscheidung ist auch eine ethische Entscheidung, da kann sich niemand von uns aus der Verantwortung nehmen. Und die Konsequenzen zu bewerten, das ist gar nicht so einfach: Ist es richtig, gebrauchte Kleidung in den Sammelcontainer des Roten Kreuzes zu werfen? Was wird dann eigentlich damit gemacht?
  • Ethisch bewusst zu handeln, das erfordert einen genauen Blick, denn genau wie wir Konsumenten, kommen auch die Produzenten nicht immer ihrer Verantwortung nach: Die Aussage von Katjes z. B. ihr Naschwerk enthalte kein Fett, ist zwar richtig, grenzt aber trotzdem an Verbrauchertäuschung. Und wenn Einzelhändler keine Bio-Produkte ins Regal stellen, können wir diese nur mit Zusatzaufwand kaufen.
  • Vertrauen ist ein zentraler Unternehmenswert, der schwer aufgebaut, aber leicht verspielt werden kann. Diskutiert haben wir das an der Frage, warum Volkswagen nach der Dieselaffäire zig Milliarden Euro an Börsenwert verloren hat, wobei es doch eigentlich nur um Details bei den Abgaswerten geht, die die meisten Kunden eh nicht interessieren.
  • Kurzfristig mag unethisches Verhalten sich oft auszahlen, langfristig sieht die Rechnung aber oftmals anders aus. Am Beispiel des Verkaufes von Gasturbinen eines deutschen Unternehmens in einen korruptionsgeplagten Staat sind wird der Frage nachgegangen, ob hier Schwarzgeld gut angelegt ist, weil es alle anderen ja auch machen. Spätestens als allen klar war, wie erpressbar man sich bei einem späteren Karrieresprung bei den eigenen Mitarbeitern macht, kippte die Überzeugung.

Wenn die Schülerinnen und Schüler mitgenommen haben, dass Wirtschaftsethik viel mit Nachdenken und Hinterfragen zu tun hat, dann bin ich ganz zufrieden mit dem Vormittag.

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