Christliches Profil – Vor- oder Nachteil in Zeiten des Fachkräftemangels?

Eingeladen wurde ich zum Kongress „Jobmotor Gesundheitswirtschaft – Entwicklungs- und Zukunftsperspektiven von Gesundheitsberufen“ [PDF] am 22. Januar an der FOM in Wuppertal. Dabei zusammen mit einem ehemaligen Harvard-Professor im Programm zu stehen, das war eine seltene Ehre für mich.

Neben Vertretern von Krankenkassen, Ärzten, Apothekern und Co, was konnte ich dabei zum „Jobmotor Gesundheitswirtschaft“ sagen? Mein Vortrag richtete den Blick auf die Tatsache, dass in Nordrhein-Westfalen mehr als 70{ff8fe9fa9fd47083462fa99647f1a5e50a4f1b6870ded31f78bc1dff4e70d0d2} aller Krankenhäuser in konfessioneller Trägerschaft sind. Vor dem Hintergrund des eklatanten Fachkräftemangels in der Gesundheitswirtschaft stellt sich für diese Gruppe an Häusern eine zentrale Frage: Lockt die christliche Trägerschaft Bewerber an oder schreckt sie eher ab?

Die Zeiten, dass eine maßgebliche Anzahl an Ärzte oder Pflegekräfte aufgrund ihrer religiösen Überzeugung ausschließlich in einem katholischen oder evangelischen Haus arbeiten wollen, sind gewiss vorbei – wenn es sie denn je gegeben hat. Aber gibt es doch Facetten in der Unternehmenskultur christlicher Krankenhäuser, die attraktiv für Mitarbeiter sein können und mit dem man sich positiv von anderen Häusern absetzen kann?

Gerald Lux sagte in seinem Vortrag an dem Tag, dass einer der Sätze, die Mitarbeiter aus der Pflege nicht hören können, die Feststellung sei, „solch einen Beruf mache man ja nicht des Geldes wegen“.

Solch ein Satz nimmt Menschen in ethische Geiselhaft und verhindert eine faire Diskussion über die zu verbessernden Arbeitsbedingungen in der Pflege. Aber trotzdem: Der Satz ist wahr. Studien zeigen, dass vor allem nichtmonetäre Aspekte zur Übernahme eines Gesundheitsberufs motivieren und ein starkes „inneres Leitbild“ (Hans Hobelsberger) mit pflege- bzw. medizinethischen Grundsätzen die Arbeit prägt.

Kann ein konfessionelles Haus mit einem gelebten „äußeren Leitbild“ trotz allgemeinem wirtschaftlichem Druck für ein Umfeld sorgen, in dem sich diese intrinsische Hinwendung zum Patientenwohl stärker entfalten kann? Hat diese Frage für die Berufsansprüche der „Generation Y“ nicht noch mehr Relevanz als für alle Generationen davor? Und wie kriegt man es hin, dass ein Leitbild nicht bloß ein Stück Hochglanzpapier bleibt und als „Leidbild“ oder „Lightbild“ endet, sondern als ein strategisches Ziel wahr- und ernstgenommen wird?

Aus dieser Perspektive ist doch einiges zum „Jobmotor Gesundheitswirtschaft“ zu sagen.

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