“Diese Wirtschaft tötet” – Diskussionsabend von BKU und AEU

Am 15. Juni 2016 veranstaltet der Bund katholischer Unternehmer (BKU) und der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (AEU) einen Vortrags- und Diskussionsabend zur Globalisierung. Das bekannte Zitat von Papst Franziskus wurde dem Abend vorangestellt. Ich werde die Moderation von einer der 4 Arbeitsgruppen übernehmen. Dabei geht es um die Frage „Hat die Globalisierung unser Leben in Deutschland bzw. in der Welt verbessert?“ Herzliche Einladung!

Zu Gast beim Kardinal-Höffner-Kreis im Landtag

Am 16. März war ich Gast beim Kardinal-Höffner-Kreis im Landtag von NRW zu Gast. Thomas Sternberg, zum einen langjähriger CDU-Landtagsabgeordneter und zum anderen neugewählter Präsident des Zentralkomitee der deutschen Katholiken diskutierte mit den Gästen zum Thema „Kirche – Gesellschaft – Politik. Christliche Positionierungen unter neuen Bedingungen.“ Es war ein spannender Abend.

Wenn ich mir aber meine Arbeit für verschiedene Bistümer anschaue, dann geht es weniger um christlichen Positionierungen in der Politik, um die Frage, was einem der katholische Glaube bei der Meinungsbildung zu TTIP, Sterbehilfe, Flüchtlingspolitik oder Abtreibung sagen kann. Meine alltägliche Referenzwissenschaft zur Theologie ist die Ökonomie, die „Wissenschaft der Knappheit“. Was nun Knappheit für den eigenen theologischen Anspruch heißt, dass muss an unterschiedlichen Stellen erörtert werden: Wenn in kath. Krankenhäusern die Mittel für die Sterbebegleitung nicht refinanziert werden können, wenn Bistumsfinanzen sich langsam am Horizont zu Ende neigen scheinen, wenn eine veränderte Ehrenamtskultur dafür sorgt, dass ortskirchliche Strukturen geschwächt werden etc. pp. Wegbeten lässt sich das alles nicht, aber ohne eine wirkliche theologische Reflexion können all diese Herausforderungen nicht bearbeitet werden.

Gleichzeitig hat die Ökomonie auch den Anspruch, die Wege zu beschreiben, mit denen Ziele am wirkungsvollsten erreicht werden. Das heißt in Kirche auch neue Wege zu gehen und Innovationen freien Lauf zu lassen.

“Rent your Prof” – mit Wirtschaftsethik in der Schule

Am 26. Januar hat mich das Gymnasium Nord-Ost in Essen eingeladen, im Rahmen der FOM-Initiative “Rent your Prof” zwei Schulstunden Hochschulatmosphäre in zwei Abiturkurse zu bringen. Zwei Erwartungen habe ich direkt enttäuscht: Kein alter Mann mit grauem Bart und auch keine Antworten auf all die vorbereiteten Fragen. Ich habe den Spieß einfach umgedreht und selbst Fragen formuliert oder die vorgeschlagenen Lösungen direkt wieder kritisiert.

Mir ging es nicht um eine Predigt für die Vorteile eines ethisches Lebens mit einem eventuellen Fensterplatz im Himmel zur Belohnung, sondern um vier Thesen, die ich veranschaulichen wollte:

  • Jede Konsumentscheidung ist auch eine ethische Entscheidung, da kann sich niemand von uns aus der Verantwortung nehmen. Und die Konsequenzen zu bewerten, das ist gar nicht so einfach: Ist es richtig, gebrauchte Kleidung in den Sammelcontainer des Roten Kreuzes zu werfen? Was wird dann eigentlich damit gemacht?
  • Ethisch bewusst zu handeln, das erfordert einen genauen Blick, denn genau wie wir Konsumenten, kommen auch die Produzenten nicht immer ihrer Verantwortung nach: Die Aussage von Katjes z. B. ihr Naschwerk enthalte kein Fett, ist zwar richtig, grenzt aber trotzdem an Verbrauchertäuschung. Und wenn Einzelhändler keine Bio-Produkte ins Regal stellen, können wir diese nur mit Zusatzaufwand kaufen.
  • Vertrauen ist ein zentraler Unternehmenswert, der schwer aufgebaut, aber leicht verspielt werden kann. Diskutiert haben wir das an der Frage, warum Volkswagen nach der Dieselaffäire zig Milliarden Euro an Börsenwert verloren hat, wobei es doch eigentlich nur um Details bei den Abgaswerten geht, die die meisten Kunden eh nicht interessieren.
  • Kurzfristig mag unethisches Verhalten sich oft auszahlen, langfristig sieht die Rechnung aber oftmals anders aus. Am Beispiel des Verkaufes von Gasturbinen eines deutschen Unternehmens in einen korruptionsgeplagten Staat sind wird der Frage nachgegangen, ob hier Schwarzgeld gut angelegt ist, weil es alle anderen ja auch machen. Spätestens als allen klar war, wie erpressbar man sich bei einem späteren Karrieresprung bei den eigenen Mitarbeitern macht, kippte die Überzeugung.

Wenn die Schülerinnen und Schüler mitgenommen haben, dass Wirtschaftsethik viel mit Nachdenken und Hinterfragen zu tun hat, dann bin ich ganz zufrieden mit dem Vormittag.